Anhörung: Corpsegrinder – Corpsegrinder

Manche Türen öffnen sich schneller als erwartet, nach gerade einmal zwei Wochen durfte ich das selbstbetitelte Album vom Cannibal Corpse-Grunzer George "Corpsegrinder" Fisher von der Post abholen. Trotz luftiger Verpackung weist die CD-Hülle ein paar unschöne Risse auf, glücklicherweise befindet sich die mitbestellte Signatur des Massivnackens unter dem Kunststoff auf dem Booklet selbst, sodass ein Austausch kein Problem darstellt.

Ich habe im Vorfeld auf YouTube mal in das Album reingehört und fand es soweit okay. Nachdem es nun einen halben Tag gefühlte zwanzig Mal in Dauerschleife lief – was nicht schwer ist, ein Durchlauf der zehn Songs dauert nur eine halbe Stunde – weiß es noch ein gaaanzes Stück besser zu gefallen.

Bei Corpsegrinder bekommt man genau was man erwartet und was draufsteht: Die wohl ikonischste Stimme des Death Metals, standesgemäß begleitet von zünftigem Geknüppel der härteren Gangart, hier trashiger, da doomiger, tendenziell ein wenig gemütlicher und dafür ein wenig eingängiger als etwa zu Hause bei Cannibal Corpse, womit sich dieses Album zumindest für mich auch ausreichend vom etwas melodischeren Serpentine Dominion (2016, die Platte ist so gut, warum zur Hölle habe ich darüber eigentlich nichts geschrieben?!) abhebt.

An dieser Stelle werde ich nicht auf jeden Song einzeln eingehen, denn für mich funktioniert das Album nicht zuletzt aufgrund seiner Kompaktheit (nochmal: Nur dreißig Minuten!) sehr gut als ein episches Medley (oder Potpourri? Collage vielleicht?). Und ganz ehrlich: Einfach für jeden Song "das Riff ist geil" und "die Vocals sind so krass, dass ich mir fast in die Hose geschissen habe" zu schreiben, wäre auch nicht so prall. Obwohl…

Ach, was soll's. Es gehört schließlich dazu:

  1. Acid Vat: Es geht gleich derbe los und setzt die Stimmung für den Rest: Schwer und laut, ein sehr guter Einstieg.
  2. Bottom Dweller: Sowohl eine kurze Verschnaufpause nach der temporeichen Einleitung und auch der übelste Nackenbrecher.
  3. On Wings of Carnage: Doublebass plus schwergängige Gitarre verbinden sich hier zu einem verhältnismäßig sanften Groove.
  4. All Souls Get Torn: Da sind sie wieder, die Blastbeats. Action im Moshpit!
  5. Death Is the Only Key: Bisher mein liebster Song dieser Sammlung: Die Hookline slappt, die Gitarrenarbeit ist besonders wuchtig und die Drums völlig on point. Dieser hier geht so richtig gut ins Ohr.
  6. Crimson Proof hat gerade was die Gitarre angeht ähnliche Qualitäten, ist insgesamt wieder schneller.
  7. Devourer of Souls: Hier kommt Abwechselung zustande, indem es Saitenmäßig wechselnd mal filigran, mal bleischwer zugeht. Passt sehr gut an diese Stelle.
  8. Defined by Your Demise: Ich wusste nicht, dass ich es an dieser Position brauche, aber hier kommt eine echte Dampfwalze, und die kommt richtig gut.
  9. Master of the Longest Night: Ich habe keine Ahnung wie das geht, aber der hier hat für mich Ohrwurmqualität. Das muss man in diesem Genre erstmal schaffen.
  10. Vaguely Human: Erinnert mit vaguely an Serpentine Dominions This Endless War. Was sie gemeinsam haben: Sie sind außerordentlich gute Abschlüsse für zwei unterhaltsame Alben.

Unterm Strich

ist es schön, diese Megastimme gelegentlich auch mal in etwas anderen Kontexten zu hören. Beim ersten Durchhören klang für mich alles noch ein wenig gleichförmig, mit der Zeit bilden sich die Qualitäten der einzelnen Tracks besser heraus. Jeder Song hat seine Gimmicks, bei jeweils recht genau drei Minuten Laufzeit ist auch keiner zu lang um sich abzunutzen. Hier gilt einmal mehr: In der Kürze liegt die Würze! Als wäre das noch nicht genug, wurde jeder Titel an den perfekten Platz gesetzt, was dem Gesamteindruck nochmals deutlich zugute kommt. Am Besten ist es, das Ding einfach immer gleich am Stück durchzuhören. Wahnsinn.

Der Name Serpentine Dominion fiel bereits. Es ist eine Band und ein Album, das in meinen Augen so gut wie kein ein zweites für sich steht und als Gesamtpaket einfach kaum runder sein könnte. Corpsegrinder ist für mich in dieser Hinsicht sehr ähnlich. Sollte sich in diesem Projekt in Zukunft nichts weiter regen, fände ich das ob dieses Monolithen gar nicht so tragisch.

Dennoch: Ich hoffe dass in Zukunft noch weitere Ausflüge dieser Art auf uns warten. Bis dahin bleibt uns Zeit für Nackentraining!