
Geschichten, wie sie das Leben schreibt: In Elite Dangerous (Frontier Developments, 2014), unser aller liebster Weltraumsimulation, suchte ich nach einem bestimmten Material, welches normalerweise nicht auf den spieleigenen Märkten erwerblich ist, sondern mittels Bergbauequipment knausrigen Asteroiden entrissen1 werden muss. Normalerweise zumindest, denn natürlich hindert nichts einen Spieler daran, die entsprechende Resource mühselig zu beschaffen und auf seinem eigenen Fleet Carrier feilzubieten. Ich suche also auf Inara nach einem verhältnismäßig günstigen Preis (die Mitspieler möchten sich wohl alle eine goldene Nase verdienen) und werde fündig. Hmm, die Daten sind neun Stunden alt, ich fliege lieber mit meinem flinken Erkundungsschiff hin und sehe nach, ob das Angebot noch steht. Wäre ja blöd, wenn ich mit meinem großen Spacetruck den weiten Weg auf mich nehme, nur um am Ziel unverrichteter Dinge, oder eher unverladener Ware wieder abzuziehen.
"Well, shit", wie der Franzose so sagt, selbstverständlich habe ich Pech und das gesuchte Erz steht am Ziel nicht (mehr) zum Verkauf. Jetzt ist es aber auch schon spät und ich muss noch mal los, mache ich also Feierabend für heute.
Neuer Tag, neues Glück: Heute werde ich das Zeug sicherlich irgendwo auftrei– Hey, Moment mal! Wo bin ich hier? Ein Blick auf die Karte später und es herrscht Gewissheit: Der Fleet Carrier hat sich bewegt, während ich mit meinem kleinen Raumschiffchen in dessen Hangar übernächtigte. Und das nicht zu knapp, denn jetzt stehe ich 5.000 Lichtjahre2 von der bewohnten Bubble mitten im Nichts. Das ist deutlich weiter, als ich mich bisher jemals alleine hinausgetraut habe. Mon Dieu, erschreckt sich der Angelsachse.
Dem Erbauer sei dank bin ich jetzt rein zufällig mit dem exakt richtigen Kahn in dieser Lage, denn meine gute Mandalay überbrückt mit einem Hüpfer etwa 80 Lichtjahre, was immer noch über 60 Sprünge zur Rückkehr in heimische Gefilde bedeutet.3 Fast noch wichtiger, sie ist mit einem in dieser Situation wertvollen Fuel Scoop ausgestattet, der mich in die Lage versetzt, unterwegs an passenden Sternen nachtanken zu können. So weit draußen gibt es keine Raumstationen für Sprit. Zum Vergleich: Meine als Mehrzweckschiff ausgerüstete Python schafft gerade einmal knapp 30 Lichtjahre, das wäre noch deutlich unangenehmer ausgefallen. Ursprünglich wollte ich direkt mit dieser anreisen, denn sie verfügt über ausreichend Frachtkapazität für den eingangs angedachten Transport. Gut, dass ich doch noch einmal auf Nummer sicher ging.
Klar, 5.000 Lichtjahre sind im Vergleich zu den 22.000 für Weg nach Colonia eher lustig, aber ich habe mir meinen Vormittag dann doch etwas anders vorgestellt. Freundlicherweise stellt die Galaxie für solche Fälle Hilfe bereit: Fliegt man in die Energiewolke eines Neutronensterns, kann man seinen Frame Shift Drive überladen und seine Reichweite dramatisch steigern. Klingt absolut sicher, was soll schon schiefgehen? Hier kommt der Galaxy Plotter ins Spiel, welcher mir letztendlich die Route auf bequeme 20 Sprünge verkürzte. Ich finde es eigentlich ganz witzig, wenn Spiele sich über solche externen Tools auch etwas in die reale Welt ausdehnen, ähnlich wie etwa der Wiki-, Lore- und Communityaspekt in Elden Ring (FromSoftware, 2022).
Zurück in der vertrauten Nachbarschaft stellt sich nur noch eine Frage: Was hatte ich eigentlich vor? Vermutlich etwas mit meiner neuen Federal Corvette (siehe Bild) herumfliegen und Piraten aufs Korn nehmen, denn für sie musste ich lange grinden und sie hat absolut nichts mit diesem kleinen Abenteuer zu tun.
o7, CMDR Deruku out.
Ich empfehle übrigens Deep Core Mining, die resultierenden Explosionen sind äußerst befriedigend. ↩
Wer damit nichts anfangen kann: 5.000 Lichtjahre sind 4.73035e+16 km. Bitteschön. ↩
Für etwas mehr Kontext: Das Starterschiff, der Sidewinder, schafft in seinem Auslieferungszustand etwa 8 LY. ↩